Das Diplom ist endlich geschafft. Nun habe ich endlich wieder ein wenig Zeit für die schöneren Dinge des Lebens. Bevor es am Wochenende zum BarCamp Stuttgart geht, möchte ich an dieser Stelle noch meine Dokumentation des BarCamp Offenburg abschließen.
Die vorletzte Session, die ich dort besucht hatte, war Zensur in Social Networks. Sie wurde von Matthias Eisenbarth von Yigg gehalten. Yigg ist eine Newscommunity, die von vier Leuten betrieben wird. Ich hatte zuvor noch nichts von dieser Seite gehört, freute mich aber trotzdem über eines der T-Shirts, die Yigg schon den ganzen Tag über verteilte.
Die Idee hinter der Seite ist schnell erklärt: Nutzen stellen Links auf Nachrichtenmeldungen ein und bewerten diese. Auf der Hauptseite werden die jeweils neuesten Meldungen mit den meisten Bewertungspunkten ("Yiggs") präsentiert. Natürlich sind auch die üblichen Web-2.0-Features wie Tags, Freunde und Gruppen präsent. Zusätzlich können die Nachrichten aus und zu RSS-Feeds kombiniert werden. Neben Nachrichten gibt es noch Spekulationen (irgendwelche Vermutungen über die Zukunft), deren Eintrittswahrscheinlichkeit ebenfalls bewertet werden kann. Das Portal hatte zum Zeitpunkt der Session 6000 registrierte Nutzer, davon 4000 aktiv, davon wiederum 100-200 Top-User.
Das Geschäftsmodell basiert auf Werbebannern, was uns Matthias jedoch erst auf Nachfrage erklärte, da sein Browser die Werbung mittels Add-On unterdrückte
Yigg ist bei Google sehr beliebt, was die Platzierung der Seite in den Suchergebnissen angeht. So erscheint es nicht verwunderlich, dass die Initialzündung in Sachen Zugriffszahlen durch diese Suchmaschine ausgelöst wurde. Dabei handelte es sich um ein Video, das die Hinrichtung Saddam Husseins zeigt. Yigg war eines der wenigen deutschsprachigen Medien, das dieses Video veröffentlichte.
Dieser Umstand war der Anlass für die Sessionidee. Matthias stellte die Frage, ob wir (in der Rolle der Verantwortlichen) das Video online gelassen hätten. Daneben erzählte er von den Maßnahmen bei Yigg, über die negative Inhalte unterdrückt werden können:
- Admins: Nachrichtenmeldungen unsichtbar setzen (entspricht einer gelben Karte)
- Admins: Meldungen komplett löschen (kommt selten vor)
- Moderatoren: konnten früher löschen, dürften mittlerweile nicht mehr
- Nutzer: Nachrichtenfilter (ehemals Müll-Button, der nach zu häufigem Missbrauch umbenannt wurde)
- Nutzer: Nachrichten von bestimmten Nutzern ausblenden
Letzteres Feature ermöglicht Yigg sogar (ganz im Sinne des Web 2.0) die Einblendung einer Tagwolke über die meistgefilterten Nutzer.
Nachwirkung: Nur gute Nachrichten
Nach den Ausführungen von Matthias erschien mir Yigg sofort als ideale Anlaufstelle für die Umsetzung einer Idee, die ich vor einiger Zeit hatte. Das Ergebnis war die Gruppe "Nur gute Nachrichten", die ich ein paar Wochen später bei Yigg gründete. Leider ging sie infolge technischer Probleme verschütt und wurde, trotz mehrmaliger Anfrage per Mail nicht wiederhergestellt. Daraufhin bin ich spontan zur Konkurrenz abgewandert und habe eine ähnliche Gruppe bei Webnews gegründet. Dort kann man aber leider fremde Nachrichten nicht mit zusätzlichen Tags versehen und sie so zur Gruppe hinzufügen. Bei Yigg ging das, daher würde ich mit der Gruppe schon lieber dort bleiben. Ich hoffe einfach mal, dass es mir in Stuttgart gelingt, nochmal persönlich mit den Yiggies zu reden.
Bis dahin sei den Leuten aus dem Stuttgarter Raum die Seite Goodnews-Stuttgart.de empfohlen, die sich ein ähnliches Ziel gesetzt, wie ich mit meiner geplanten Nachrichtengruppe.
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