Vor einigen Wochen waren meine Freundin und ich bei einem Auftritt von Bastian Sick, dem bekannten Sprachkritiker und Urheber der Zwiebelfisch-Kolumne des Spiegels, im Freiburger Konzerthaus zugegen.
Ich wusste nicht genau, was ich von Sick zu erwarten hatte, da ich nur ein paar Seiten im dritten Band seiner Serie Der Genitiv ist dem Dativ sein Tod überflogen hatte. Im Großen und Ganzen wechselte er während der gesamten Zeit zwischen dem Platz vor der Leinwand und dem hinter seinem Schreibtisch hin und her. Die Leinwand nutzte Sick zum Vorstellen unzähliger Fotos von fehlerhaften Schriftstücken (Schilder, Annoncen, Briefe, ...), die er mit mehr oder weniger lustigen Kommentaren untermalte. Hinter seinem Schreibtisch hingegen präsentierte Bastian Sick diverse Anekdoten und rezitierte Abschnitte aus seinen Werken.
Was ich mir bis zuhause merken konnte:
Von der Menge an Gags, die Sick brachte, blieb mir lediglich der Opener im Gedächtnis: Dieser erzählt davon, dass er schon als Kind von seiner Mutter mit Grammatik bedacht wurde: "Ge-ni-tiv ins Wasser, denn es ist Da-tiv!", warnte sie ihn immer, bevor er Schwimmen ging.
Auch die Unmenge an Fotos konnte ich mir nicht merken, sieht man einmal vom der missverständlichen Inschrift
Reiterstandbild in Hannover ("Ist diese Statue am Ende gar nicht für den König, sondern für sein treues Volk erbaut worden?") und
dem roten LKW ab ("Ich kann mir richtig vorstellen, wie der Unternehmer im Baumarkt steht und die E-Aufkleber sind alle").
Daneben erzählte Sick, wie er zu seiner Kolumne gekommen war und las eine E-Mail vor, die sich mit der häufigen Verwendung von Konstruktionen wie "teurer, als zunächst erwartet" oder "mehr Leute, als zunächst vermutet" beschäftigte und die Sick Freitagnachmittags an seine Kollegen versandt hatte. Die Grußformel dazu: "Mit freundlicheren Grüßen, als zunächst gedacht!"
Außerdem berichtete er von seiner Jagd nach dem Namen des Gegenstandes, der im Supermarkt an der Kasse benutzt wird, um die Einkäufe verschiedener Kunden zu unterscheiden. Als aufmerksamer Wikipedianer wusste ich natürlich, dass das gute Stück "Warentrenner" genannt wird und war nicht sonderlich überrascht. Umso erfreuter war ich, als er das Publikum am Ende selbst auf den Wikipedia-Eintrag zum Thema verwies.
Zum Abschluss sang Bastian Sick einen uralten deutschen Schlager von Anneliese Rothenberger und Mireille Mathieu, der sich mit der Frage beschäftigt, warum der Mond im Deutschen männlich und die Sonne weiblich ist und es im Französischen genau andersherum gehandhabt wird.
Was danach passierte:
Nach dem Auftritt stellte er sich für Autogramme und Fotos zu Verfügung. Diese Gelegenheit nutzte ich, mir eine Widmung in die Taschenbuchausgabe von
Der Genitiv ist dem Dativ sein Tod schreiben zu lassen, das ich mir in der Pause zugelegt hatte. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Verkauf von Sicks Werken durch eine hiesige Buchhandlung erfolgte, während viele heutzutage mit eigenem Marketing-Tross auffahren. Bastian Sick blieb natürlich auch nicht von meiner Digitalkamera verschont und stellte sich bereitwillig zum Foto "für Wikipedia" auf. Als er erfahren hatte, dass ich in meiner Freizeit für diese freie Enzyklopädie tätig bin, lobte er das Projekt und sagte, dass die Wikipedia sein meistgenutztes Nachschlagewerk sei.
Die Wikipedia scheint zu Bastian Sick ebenfalls ein besonderes Verhältnis zu haben: Seit ... streiten sich die Autoren des Artikels über ihn darüber, ob die Bezeichnung "humorvoll" dem neutralen Standpunkt entspricht, oder eben nicht. Außerdem wurde seit längerer Zeit die Erwähnung kritischer Stimmen zu Sicks Auftreten gefordert, was bisher jedoch immer am Widerstand der Sick-Fraktion gescheitert war.
Fazit:
Nachdem ich mein Foto des Künstlers in den Artikel geklatscht hatte, habe ich auch ein paar der Quellen zur Kritik an Sick gelesen. Der FAZ-Artikel von Claudius Seidl gibt genau das Gefühl wieder, das mir gelegentlich während der Show kam, nämlich, dass einem die Leute, die die ganzen Schreibfehler verursacht hatten, irgendwann Leid täten. Vermutlich bin ich durch unzählige Funmails ein wenig abgestumpft gegen derartige Bilder, so dass mir die ganzen Zeitungsausschnitte irgendwann wirklich auf die Nerven gingen. Lustig empfand ich allerdings, als Sick gegen Ende der Show einen Frisörsalon mit haarsträubendem [!sic(k)] Wortspiel im Namen nach dem anderen zeigte.
Es war eine gute Show, die ihre Stärken und Schwächen hatte. Die Show und die Tatsache, dass man Sick von Angesicht zu Angesicht treffen konnte, rechtfertigen die Ausgabe von 30,00 Euro locker.
PS:
Leider musste ich feststellen, dass jemand bereits ein Foto in den Artikel eingefügt hatte, nachdem meine Eintrittskarte gekauft war. Glücklicherweise war mein Foto ein wenig besser ausgeleuchtet und ziert nun, nachdem es von jha nachbearbeitet wurde, den Artikel Bastian Sicks.
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