Am Samstag waren meine Freundin und ich auf dem Weihnachtsmarkt in Colmar im Elsass. Nun wissen einige vielleicht, dass Weihnachtsmärkte nicht gerade zu meinen Lieblingsaktivitäten zählen. Mir fehlt einfach der Bezug dazu, ewig in der Kälte zu stehen, Glühwein zu trinken und Dinge zu kaufen, die (allerspätestens) nach Weihnachten kein Mensch mehr braucht. Aber was macht man nicht alles, für seine Freundin. Außerdem war es eine Bustour, die von ihren Kommilitoninnen organisiert wurde und nur 8 Euro kostete 
Colmar an sich ist ja ganz toll. Es hatte für mich nur einen riesengroßen Nachteil und das war mein nicht vorhandenes Amateur-Französisch. Mir ist es nun einmal gelungen, mich 13 Jahre erfolgreich um jeglichen Französischunterrricht zu drücken und das sollte sich dann spätestens Samstag rächen.
Wir waren gegen Mittag dort und schoben, trotz Verzehr eines Weckmanns im Bus, doch ein wenig Kohldampf. Dieser Begriff setzt sich übrigens aus zwei rotwelschen Wortteilen zusammen, die beide Hunger bedeuten: Kohler/Koller und Dampf. Mein Duden Redewendungen nennt sowas eine tautologische Bildung, aber wen interessiert das? Daher zurück zu uns bei den Franzosen:
Da standen wir nun also in der Innenstadt von Colmar, eingekesselt von fünf Weihnachtsmärkten. Dort gab es zwar Kleinigkeiten wie Brezeln, Crêpes und irgendwelche belegten Brote, aber nichts das aussah, als könnte einen für mehr als eine Stunde satt machen. Daneben fanden wir noch ein paar Restaurants, die entweder hoffnungslos überfüllt, unerschwinglich oder beides waren. Doch dann stießen wir beiden ausgehungerten Studenten auf eine kulinarische Oase inmitten der Altstadt: Eine Dönerbude. Die Speisekarte war zwar eine beleuchtete Tafel mit den unappetitlichen Fotos aus jedem Restaurant dieser Art, aber die restliche Ausstattung war so richtig innovativ. Es war nämlich eine Art Döner-Diner mit massivem Metalltresen und roten, gepolsterten Barhockern. Nachdem uns die Chefin des Hauses, dann einen Tisch von abgestellten Hockern freigeräumt hatte, konnten wir uns auch bald an den Verzehr unserer Yufkas mit Schafskäse (hatte ich nicht Falafel bestellt?) und Coke light machen. Soviel zum Thema andere Kulturen ausprobieren ...
Danach kam der spannende Teil für den Wikipedianer in mir: Fotosession in Colmar. Obwohl das Wetter nicht der Hammer war, so hat es doch für gute 100 Fotos gereicht (natürlich noch mit Dubletten). Nachdem ich vor ein paar Wochen herausgefunden hatte, wie Einzelbilder zu Panoramaaufnahmen zusammensetzt, habe ich sowohl eine vollständige Fassade des St.-Martins-Münsters, als auch das komplette
Geburtshaus von
Frédéric-Auguste Bartholdi in Einzelteilen aufgenommen. Bartholdi war übrigens der Mann, der die Freiheitsstatue erschaffen hat. Die Einzelbilder würde ich am Sonntag mit dem hammergeilen Freeware-Tool
AutoStitch zusammensetzen. Wie man erkennen kann, haben die Bilder in der Rohversion momentan leider noch böse Rundungen drin. Bin mal gespannt, ob ich die noch los bekomme.
Nach den Panoramafotos gingen wir ins Münster. Für meine Freundin, die ja unter anderem evangelische Theologie studiert, ist das natürlich Pflicht. Ich habe dann gleich mal noch ein paar Detailaufnahmen eines Altarteils von
Hans Wyditz (na toll, nicht mal ein Artikel in Wikipedia) und einer alten Uhr im Münster geschossen. Nach dem Münster hatten wir ein wenig Leerlauf, da wir erst um 16:00 zu einer Stadtführung mit einer Kommilitonin verabredet waren. Die Suche nach einem Cafe zum Reinsitzen war nicht wirklich von Erfolg gekrönt, dafür fanden wir ein Kaufhaus. Dort musste ich gleich mal die Erzählungen einer meiner Professoren prüfen und Tatsache: In Frankreich kann man Kondome unter dem Markennamen Hansaplast kaufen. Es ist wirklich das Logo auf der Packung, dass wir Deutschen nur von den Pflastern kennen!
Es folgte die Stadtführung, auf der wir erfuhren, warum die Franzosen zu Weihnachten Brot essen, das aussieht, wie ein Holzscheit. Früher verbrannten die Bauern an Weihnachten, während sie in der Kirche waren, ein Holzscheit. Anschließend verstreuten sie die Asche auf dem Feld, da diese ja nun gesegnet war. Mittlerweile erinnert das Dessert Bûche de Noël an diesen Brauch. Nach der Führung standen wir uns noch eine halbe Stunde die Beine in den Bauch, um Kinder mit Nikolausmützen zu sehen, die auf einer Barke auf dem Fluss Lauch Weihnachtslieder sangen. Viel gehört hat man nicht, französisch war es auch, aber sah trotzdem recht putzig aus.
Nach dem Abendessen auf dem Weihnachtsmarkt (Geschnetzeltes im Fladenbrot/Flammkuchen) ging es dann auch schon wieder nach Hause. Sechs Stunden in der Kälte waren aber eigentlich auch genug.
Fazit: Schönes Städtchen, unbedingt nochmal außerhalb der Saison besuchen. Dickes Plus: Auf der Stadthomepage gibt es einen PDF-Stadtplan zum Download.
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