Geschrieben von Flominator in
Internet, Reallife/Freizeit
Donnerstag, 10. Juli 2008
Hier nun ein weiterer Bericht vom BarCamp Offenburg, auch wenn die Veranstaltung doch schon einige Monate zurückliegt. Es geht um die Session China 2.0 von Oliver Überholz, die sich mit der Internetlanschaft im China beschäftigte. Ich blogge diese Zusammenfassung deshalb erst jetzt, da ich warten wollte, bis Oliver seine Präsentation veröffentlicht. Durch den Start der polnischen Version von mixxt (Olivers Unternehmen) hat sich dies eben etwas verzögert.
Rahmenbedingungen
- Blog für gute Übersicht: China Web 2.0 Review
- 162 Millionen Internet-Nutzer im ganzen Land (USA: 210 Mio.)
- Penetration lediglich 13% (USA: 69%)
- Zahlen variieren von Statistik zu Statistik
- fast alle schreiben eine Sprache (ein Problem in Europa)
- gesurft wird oft in Gruppen (Zuhause oft zu eng)
- ein erwähntes Internetcafe hat 400 Plätze (80% Raucherbereich)
- Geld verdienen über virtuelle Güter
- Internet-Flächendeckung hält sich in Grenzen
Suchmaschinen
- Google-Nutzung ca. 25% (=Ausländer in Shanghai)
- Baidu = Suchmaschinen-Marktführer
- liefert oft bessere Ergebnisse als Google
- hat "gesünderen" Wikipedia-Klon Baike
- Sina (Content-Dienst)
- hat eigene Nachrichtenlizenz
- ist weniger transparentes Unternehmen
- vergleichbar mit Yahoo! und Google
Bloggen
- 52.com ist erste Anlaufstelle für Blogs
- hat aber geringe Kundenbindung
Online-Shopping
- Amazon konnte nich Fuß fassen in China
- Gründe: lahme Post (in gewisse Städte und Dörfer Tage lang unterwegs)
- Marktführer: Alibaba.com
- unter Beteiligung von Yahoo
- bietet eigenes Payment-System
Payment
- keine Nutzung von Kreditkarten
- für ausländische Dienste schwer adaptierbar
- jedes Land hat eigene Vorlieben und Strukturen
- selten internationalisiert
Kopien
- viele "westliche" Dienste 1:1 übernommen (siehe Präsentation)
- sehr nahe am Original
- Kopien haben lange Tradition
- Beamten zur Kaiserzeit waren Hüter der Kultur
- Ausbildung: 10-12 Jahre Studium
- ein Teil davon: Kalligrafie
- selbst "zeichnen" erst, wenn sie Meister genau kopieren konnten
- Kopie = perfektes Beispiel, Standard man erreichen will
Kreise
- Chinesen denken oft in Kreisen
- geschlossener Bereich
- bestimmte Dinge nur dort tun
- Angst davor, Daten im Netz preiszugeben
- nicht außergewöhnlich auffallen
- daher fast alle: Anime-Avatar und Nickname (@Oliver: richtig verstanden?)
Fingerspitzengefühl
- Innovation muss keine Neuheit sein - kulturelle Anpassung reicht oft aus
- Angaben bei live365.com: oft Klarnamen, Alter, Handynummer, ...
- live365.com ist japanische Kopie von mixine
- für China an Kreisdenken angepasst
- Nutzer ist für von ihm eingeladene Nutzer verantwortlich
- bei Problemen werden beide gesperrt
- fanfou.com: Twitter-Klon mit Gruppenfunktionen
Ipartment
- Design in China: generell sehr verspielt
- Social Network aus animierten GIFs
- für Frauen: Wohnung, Möbel, Accessoires
- Männer anfangs nur mit Einladung einer Frau (später auch allein)
- Test für spätere gemeinsame Wohnung
- Verschenken von Items (Bezahlung mit echtem Geld)
- Beispiel: Blumenstrauss für 2 Cent
- für 1 Cent mehr Sternchen und Nachrichten dazu
- rechnet sich durch Online-Payment
- Anbieter ging erst nach Taiwan und dann auf Festland
- guter Weg zum Antesten von Westprodukten
- nicht zum Pushen von Startups geeignet
- daneben existiert ein Social Network für Hochzeiten
- Anbieten von Gutscheinen für Hochzeiten
- Motivation, aus Kreisen auszubrechen
Videos
- ca. 160 Videoportale mit sehr ähnlicher Technik
- einziges Herausstellungsmerkmal: Inhalte
- tudou.com: relativ seriös
- veröffentlichte zuerst Tibet-Videos (nach zwei Wochen offline)
- hohe Qualität durch anfängliche Konzentration auf Filmschulen
- erst danach Expansion (ähnlich wie Sevenload)
- erst wenig Partizipation wegen Kreisidee
- Kampagnen für private Videos von Feiertagen
Zensur
- Grundvoraussetzung: Net License
- existiert kommerziell/unkommerziell
- nötig zum Anbieten von Inhalten, die durch Nutzer erschaffen werden
- Veröffentlichung "ungesunder" Inhalte = Entzug der Net License
- rasche Beantragung: Gebühren für Net License + "Bearbeitungsgebühren"
- tudou bekam sie entzogen und später wieder zurück (selten)
- ISPs kontrollieren Inhalte (nur Festlandchina)
- Seitensperren meist nur in Großstädten
- Umgehen: Surfen über Screenshots (z.B. mit picidae)
- Chinesen sprechen viele Dinge nicht an
- Tibet war eine Ausnahme
- Sex war ebenfalls lange Tabuthema
- Oliver: "Mein Apell: Nicht drücken. Social Media tut schon vieles. Schlimm wäre es, wenn wir politische Videos auf chinesischen Portalen hochladen würden. Das führt nur zu Ärger bei diesen wichtigen Diensten, bewirkt wenig und führt erst einmal zur Abschaltung. Das wäre schlecht! "
Eingesetzte Software
- größtenteils Microsoft-Produkte
- ASP, (PHP), .net
Nach dem etwas verspäteten Bericht zur Session China 2.0 hier auch schon der nächste Mitschrieb vom Barcamp Offenburg. Zeniscalm (Glückwunsch nachträglich nochmal) erzählte uns von ihrer Tätigkeit bei einem Headhunting-Unternehmen. Da es bei Oliver und Ma Kommentar (1)
Aufgenommen: Jul 16, 20:25