Gestern waren mein Kollege und ich auf dem do it-Kongress in Stuttgart, um unser Wiki-Projekt zu präsentieren, mit dem wir zu den Gewinnern des Web-2.0-Innovationswettbewerbs des Landes Baden-Württemberg zählen durften.
Wegen Bahnstreik und Witterung waren bereits am Mittwochabend angereist und durften als Referenten daher eine gemütliche Nacht im Hotel am Flughafen verbringen. Nachdem wir dann also 2/3 des Weges mit und 1/3 ohne Schneefall hinter uns gebracht hatten und im Hotel eingecheckt waren (ziemlich schwer ohne eine Kreditkarte zu besitzen...), begab ich mich auf den Weg in die Innenstadt. Dort war ich mit zwei Wikipedianern aus Stuttgart auf einen Ministammtisch verabredet. Leider haben wir uns verpasst und ich stand allein in der Pizzeria. Dort habe ich dann auch gleich mal eine nette Hawaii verdrückt, bevor ich mich zur Übernachtung zurück ins Hotel begeben hatte.
Nach dem Frühstück und einer Dusche, bei der leider das halbe Bad überflutet wurde, ging es am nächsten Morgen auch schon los. Aus den Eröffnungsvorträgen konnte ich persönlich nicht soviel mitnehmen. Als es aber dann in die einzelnen Fachkongresse ging, wurde es schon spannender. Im ersten Vortrag erfuhr ich, dass Google und ein paar andere einen offenen Standard für Handy-Betriebssysteme mit dem Namen Android entwickeln wollen. Was folgte, war ein darüber, wie Unternehmen die Techniken des Web 2.0 nutzen können, um in den Dialog mit dem Kunden treten zu können. Dabei wurde u.a. auch die Blog-Suchmaschine Technorati erwähnt, wo ich mir natürlich gerade eben gleich mal ein Account zulegen musste. Außerdem wurde dort der (authentische ???) Daimler-Blog ebenso thematisiert, wie DELLs öffentliches Ideenmanagement.
Nach diesem Beiträgen folgte auch schon die Mittagspause. Dort sprachen wir unter anderem mit einer ehemaligen HP-Mitarbeiterin, die gerade an ihrer Dissertation über die Ablehnung von Software arbeitet. Sie erzählte uns von einem Gespräch mit einer britischen Kollegin. Sie hatte ihr erzählt, dass sie auf die Motivation von Blogging gestoßen war: Die Männer bloggen wegen ihres Sendungsbewusstseins, die Frauen zur Therapie. Aber eigentlich spielt das keine Rolle, weil die Blogger eh alle feige sind.
Nach dem Essen haben wir uns aus dienstlichen Gründen noch kurz mit den Leuten vom Serviceportal des Landes Baden-Württemberg unterhalten, das einfach so eine tolle Sache ist, dass es hier mal eben erwähnt werden muss. Dort kann man vor so ziemlich jeden Verwaltungsgang informieren, was man eigentlich dafür braucht und wer zuständig ist. Tolle Sache.
Nun aber genug der Werbung, oder doch nicht? Nö! Danach ging es nämlich mit den Siegerpräsentationen der B.web-2.0 Challenge (siehe oben) los, auch wenn, Bahn und Schnee sei Dank, nur ca. 20 Leute im Raum waren. Die erste Präsentation wurde von einer symbadischen Firma aus Freiburg gehalten. Die beiden Herren haben eine Mindmapping-Kollaborations-Tool entwickelt, das offene Web-Standards nutzt und keine zusätzliche Software benötigt. Nach unserer Präsentation des "Wikibasierten Wissensmanagements im Bürgerservice" folgten die Projekte spielerkabine.net und Alte Hasen. Danach wollten wir leider andere Vorträge hören und verpassten so sowohl die von Castogo, einer Seite für Reisepodcasts aufs Handy, als auch die von beeloc, einer Community für Leute, die ins Ausland wollen.
Dafür konnte ich mir einen sehr unterhaltsamen Vortrag von Kaj Arnö, dem Geschäftsführer von MySQL Deutschland, anhören und -schauen. MySQL arbeitet in 26 Nationen größtenteils im Heimarbeit und hat so enormen Kommunikationsbedarf. Arnö schimpfte unter anderem auf mobile Internetdienste, erwähnte die Firmensprache "Bad English" (damit die US-Amerikaner sich mit Silicon-Valley-Slang zurückhalten) und fasste die Konsequenzen für den Mitarbeiter sehr treffend zusammen: "Vorteil: Work anywhere - Nachteil: Work everywhere".
Nach dieser sehr aufheiternden Präsentation hatte ich noch ein wenig Zeit, bis zum Vortrag einer Freelancerin über ihre Arbeit und erinnerte mich daran, dass in der Ausstellungshalle ja ein Gewinnspiel stattfand. Hier sollte man lediglich eine Visitenkarte in eine Kiste werfen und würde damit die Chance auf einen iPod-Shuffle erhalten. Wenn ich mir schon extra für den Kongress Visitenkarten habe drucken lassen, musste ich es natürlich auch versuchen.
Nach dem Vortrag der Freelancerin, der doch relativ entmutigend für Leute war, die sich mit dem Gedanken zur selbstständigen Arbeit im IT-Bereich befassen, besuchte ich spaßeshalber doch die Verlosung und siehe da: Nun habe ich nicht nur eine Menge netter Kollegen kennen gelernt, sondern auch einen dunkelroten iPod-Shuffle 