Das BarCamp Furtwangen kommt immer näher. Daher wird es für mich wirklich Zeit, zu Potte zu kommen und die letzten Sessions vom BarCamp Stuttgart zu verarbeiten. Klar ist es schon ein paar Tage her, aber dokumentiert hätte ich die Sessions trotzdem gerne.
Die heute vorgestellte Session wurde von Hans Dorsch gehalten und trug den Titel Gute Texte, Schlechte Texte. Eine rein subjektive Betrachtung. Die Präsentation zur Session gibt es bei Slideshare.
Viele der Teilnehmer (auch ich) versprachen sich beim Titel Gute Texte, Schlechte Texte eine Art Anleitung, wie man gute Texte fürs Web schreibt. Die Intention von Hans war aber eine andere: Er wollte uns mit der Session lediglich ein paar Beispiele zeigen, wie gute Texte im Web aussehen können:
Flickr
- persönliche Grußformel in wechselnden Sprachen (ähnlich wie bei der Sendung mit der Maus)
- nicht nüchtern, sondern umgangssprachlich ("unsere funkelnagelneue Homepage")
- aktive Ansprache, eine Aufforderung, was der Besucher tun soll
- keine ausführlichen Erklärungen am Anfang, sondern "Spielen Sie mit den Einstellungen"
- auch FAQs von Flickr lassen gefühlte Freundlichkeit aufkommen
- Fazit: So bekommt die Leute dazu, mitzumachen!
Coolspotters
- Zeigt in einem Satz, um was es geht: "Coolspotters is the Google of people and products..."
MOO
- Slogan "We love to print" findet sich überall wieder.
- Es macht einfach Spaß, dort zu bestellen
- Überall aktive Aufforderungen, was man den als nächstes tun könnte
- deutschsprachiger Warenkorb (nicht selbstverständlich)
- Möglichkeit, der Bestellung einen eigenen Namen zu geben UND die Erklärung, wozu man das brauchen könnte
- Bestellbestätigung auf Seite: "Hurra, deine Bestellung ist eingegangen" und gleich die Warnung, dass man für Karten benutzte Flickr-Bilder nicht löschen soll
- Noch besser ist die Bestätigungsmail, in der erklärt wird, wer bei MOO für was zuständig ist:
- Little MOO verwaltet die Bestellung und Big MOO druckt sie aus. Nur der Kundendienst ist "aus Fleisch und Blut"
- für mich: absolutes Highlight der Session
- mindestens ebenso süß, wie die Einfälle von MOO: das Waschschild bei Puma
Du oder Sie?
Nach diesen Beispielen und einigen weiteren Screenshots (Folien 30-49) ging es zur Frage, ob man den Benutzer dutzen oder sietzen sollte. Auch hier gab es ein paar interessante Fakten zu lernen:
- Dänen dutzen alles und jeden, bis auf die Königin
- Ikea dutzt den Kunden (auch in den Geschäften) - ältere Menschen reagieren meist verwirrt.
- Flickr kann sich nicht so richtig entscheiden und wechselt teilweise auf einer Seite die Anrede
- Omigo redet Verbraucher per Du, Business-Kunden aber per Sie an
- die Kroatin @Rozana erzählte davon, dass sie in ihren ersten Jahren in Deutschland nur "Sie" gelernt hatte. Ihre Freunde, die sie konsequenterweise dann auch mit "Sie" ansprach, dachten immer, sie sei total distanziert und könne sie nicht leiden.
- These: "Du" wird zumindest beim Geldtransfer kritisch (aber, was ist mit dem Barkeeper?)
- @webstyler berichtete, dass "Du" in Kundenbeziehungen eher problematisch ist: Kunde meinte mit "kannst du nicht mal"-Mentalität um kostenpflichtige Dienstleistungen herumzukommen
- Idee zum Abschluss: Entscheidung über Anrede dem Kunden auf der Website überlassen. Damit erkennt er, dass es dem Anbieter wichtig ist.
Fazit
Obwohl die Session in den Augen vieler Teilnehmer total das Thema verfehlt hatte, ergab sich eine höchst spannende Diskussion. Vermutlich wären viele der Teilnehmer gar nicht zur Session gegangen, wenn sie den Titel richtig verstanden hätten, was wiederum die Qualität der Diskussion sehr abträglich gewesen wäre. Von daher war alles gut so, wie es war. Danke an Hans für die interessante Sammlung witziger Texte, für das nachträgliche Hochladen der Folien und für den Tipp mit MOO.